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Autoren-Interviews
Buch-Cover Fida
Stefanie Maucher
Nach einem Besuch in der Stadtbücherei wurde Laura zum letzten Mal gesehen. Was geschah mit ihr? Wie gehen ihre Eltern mit dem Verschwinden des einzigen Kindes um? Das erzählt Stefanie Maucher in ihrem neuen Thriller FIDA. Was würden Sie tun, wenn ihr Kind einfach verschwindet? Wenn Sie nicht wissen, ob es noch am Leben oder schon tot ist? Würde Ihre Familie näher zusammenwachsen oder unter der Last auseinanderbrechen? Wann würden Sie die Hoffnung aufgeben? Und wie weit würden Sie gehen, wenn Sie den Täter finden
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
ISBN: 9781483957517
Jessi's Bewertung: starstarstarstarstar

Stefanie Maucher Der Autor
Stefanie Maucher wurde 1976 in Stuttgart geboren und lebte, nach einem mehrjährigen Ausflug nach Graz in Österreich, mit einem Mann und zwei Kindern im Baden Württembergischen Schorndorf. Im Sommer 2013 suchte sie sich einen wunderschönen, neuen Platz zum Leben und wohnt nun in Deutschlands Bücherstadt Nr.1: Leipzig.

Als situationsangepasste Lebenskünstlerin sammelte sie Erfahrung in verschiedenen Berufszweigen und widmet sich nun ihrem heimlichen Kindheitstraum, dem Schreiben spannender Geschichten.
Wann hast du die besten Ideen?
Wie es so ist, mit den Ideen: Sie kommen, oder sie kommen nicht. Und wenn, dann oft zu einem Zeitpunkt, an dem man nicht mit ihnen rechnet. Spät nachts zum Beispiel, wenn man versucht einzuschlafen. Oder genau dann, wenn man gerade keine Zeit und keinen Stift hat, um sie schnell zu notieren.
Was inspiriert dich zum Schreiben?
Manchmal sind es Kleinigkeiten – ein Bild, das die Fantasie anregt, eine aufgeschnappte Bemerkung, die das Kopfkino zum Laufen bringt… Hauptsächlich aber tu ich es, weil es mir einfach riesigen Spaß macht. Ich hab mich schon immer gern kreativ beschäftig, male auch gern und selbst Ikea-Möbel zusammenbauen (dazu gehört bei den tollen Aufbauanleitungen oft auch ne Portion Kreativität) macht mir Spaß. Ich mag „Dinge mit Resultat, auf das man später ein bisschen stolz sein kann“.
Wurden Ereignisse oder Personen aus deinem eigenen Leben eingearbeitet?
Es wäre gelogen, wenn ich nein sage. Ich glaube, bei jedem, der schreibt, fließt auch etwas von ihm selbst ein. Allerdings – das muss man bei der von mir gewählten Thematik wohl dazusagen – entspringt noch mehr einzig meiner Vorstellungskraft. Manche Erfahrungen, die ich in meinen Büchern beschreibe, habe ich nicht selbst gemacht und bin auch nicht scharf drauf. Es gibt auch Personen, denen ich kleine oder größere Rollen in meinen Büchern zuschanze. So kreativ ich in manchen Punkten sein mag, bei der Namensgebung verlassen mich oft die Ideen. Also bin ich inzwischen dazu übergegangen, via den von mir genutzten sozialen Netzwerken, „Stellenangebote“ für einzelne Figuren auszuschreiben. Selbst die Rollen der gestörten Psychopathen gehen ganz gut weg.
Gibt es Vor- und Nachteile des Autorenlebens?
Klar. Es gibt auf jeden Fall Jobs, die mehr Sicherheit versprechen. Was ich mit dem Schreiben verdiene, kann ich maximal zwei Monate im Voraus prognostizieren, die fernere Zukunft liegt also immer ein bisschen im Ungewissen. Die freie Zeiteinteilung ist ein zweischneidiges Schwert. Prokrastination – das Aufschieben von zu erledigenden Dingen auf einen späteren Zeitpunkt – ist eine beliebte Autorenkrankheit, unter der auch ich manchmal leide. Dass man keinen Chef im Nacken sitzen hat und nicht gleich gefeuert wird, wenn man mal nicht tut was man soll, ist einerseits toll, andererseits muss man sich viel mehr selbst disziplinieren. Als reinen Vorteil würde ich die Kontakte bezeichnen, die man im Lauf der Zeit knüpft. Man trifft wahnsinnig viele interessante Kollegen, Blogger, Leser und andere Buchmenschen auf den Messen, und auch die Reihe der „besonderen Bücher“ im eigenen Bücherregal – die signierten Exemplare der Autoren mit denen man persönlich bekannt ist –wächst ständig.
Sollen deine Bücher eine bestimmte Botschaft übermitteln?
Hm, jein. Sicher fließt hier und da ein wenig Gesellschaftskritik mit ein, und von „Kalte Berechnung“ würde ich zum Beispiel behaupten, es sensibilisiert, in Hinblick auf den Umgang mit der Kombination aus frei zugänglichem Internet und dem eigenen Nachwuchs. Wenn sich jemand etwas für sein Leben aus meinen Büchern ziehen kann, dann freut mich das. In erster Linie sehe ich sie jedoch als ein Produkt, das seinen Sinn und Zweck schon erfüllt hat, wenn sich der Leser dadurch ein paar Stunden lang gut unterhalten fühlte.
Wie viel Zeit vergeht, zwischen einer Idee und der Fertigstellung eines Buches?
Auch das ist ganz unterschiedlich. Mein erstes Manuskript (Franklin Gothic Medium), tippte ich in nicht mehr als drei Wochen und man kann es heute (grob rechtschreibkorrigiert) so lesen, wie ich es damals aufs virtuelle Papier klatschte. Ein origineller Erstling, der handwerklich aber sicher noch nicht so ausgereift ist, wie das, was ich heute schreibe. Das Manuskript entstand spontan, ich fing Feuer und mein Kopf war meist ca. zwei Kapitel weiter als die Finger. Inzwischen weiß ich aber auch, wie richtige Verlagsarbeit aussieht, wie hilfreich ein gutes Lektorat ist und ich arbeite deutlich länger an meinen Texten. Ich denke im Vorfeld auch länger darüber nach, was für eine Story es diesmal werden soll. Erst schreibe ich eine Rohfassung, die ich dann ausbaue, überarbeite, feinschleife… Das alles braucht Zeit – und dann ist da natürlich noch die Sache mit der Prokrastination…
Wann hast du mit dem Schreiben begonnen?
Hm, mal überlegen. Franklin schrieb ich 2009, schickte das Skript an genau einen Verlag (die Heyne Hardcore Reihe fand ich damals ideal für mich), wartete eine Ewigkeit auf eine Absage und mottete das Ding danach erstmal ein, bis ich Ende 2011 über die Selfpublishing-Plattform von Droemer/Knaur stolperte. Dort nahm ich dann an einem „urbanen Krimi-Kurzgeschichtenwettbewerb“ teil, schrieb dafür „Ferropolis“, landete unter den ersten Drei, und so öffneten sich erste Verlagstüren. Tja, und seitdem schreibe ich.
Welches ist dein Lieblingsbuch aus der eigenen Feder?
Jedes liegt mir auf ganz eigene Art am Herzen. Franklin, weil das einfach mein erstes geistiges Kind ist und obendrein herrlich abartig. Kalte Berechnung, weil damit eine persönliche Geschichte einherging, die obendrein, wenn man das so sagen kann, zu meinem kleinen Durchbruch führte. Und Fida, weil mich kein Buch beim Schreiben emotional so sehr beschäftigte wie dieses. Außerdem geht damit erstmals das einher, was man kommerziellen Erfolg nennen könnte, der mehr als ein Taschengeld einbringt. Die Frage ist eigentlich genauso doof, wie wenn man mich fragen würde, welches meiner Kinder ich denn am meisten liebe.
Gibt es Momente, in denen man gar keine Ideen mehr hat, oder Schreibunlust?
Ne, Ideen hätte ich schon noch ein paar auf der geistigen Halde liegen. Schreibunlust gibt’s manchmal schon. Oder Zeiten, in denen so viel anderes im Leben vor sich geht, dass man nicht wirklich nen Kopf zum Schreiben hat. Direkt nach Fertigstellung eines neuen Titels stagniert es auch gern. Meist brauche ich eine kleine Weile, bis ich mir im Klaren darüber bin, was ich als Nächstes schreiben will und bin obendrein ziemlich abgelenkt, durch andere Dinge, die mit einer Veröffentlichung einhergehen. Werbung, Leserunden etc. Wenn ich dann aber etwas Neues gefunden habe, das bei mir selbst richtig zündet, folgt darauf aber auch wieder eine Phase, in der mein „innerer Schreibaffe“ eine große Portion Zucker bekommt. Dann vergrabe ich meine Nase im nächsten Manuskript und meine Familie wird auf eine harte Geduldsprobe gestellt, weil sie an solchen Tagen meist viel zu lange aufs Abendessen warten muss. So ich gerade in meiner eigenen Gedankenwelt stecke, nehme ich mein Umfeld erst dann wahr, wenn es lautstark auf sich aufmerksam macht.
Muss ein bestimmter Gegenstand immer beim Schreiben dabei sein?
Einfach beantwortet: Klar, ein Gerät – mein Computer. Ansonsten: Ich habe kein festes Schreibritual, es muss nicht leise um mich rum sein, es muss keine bestimmte Musik laufen. Alles kann, kein muss. Dinge, die sich in meinem Arbeitsumfeld finden: Red Bull Dosen, Rauchwaren, halbvolle Tassen mit kalt gewordenem Kaffee, den ich im Eifer des Schreibgefechts vergaß zu trinken…
Wie gehst du mit negativen Rezensionen oder Meinungen um?
Okay, zugegeben, ich bekam auch schon Rezensionen, die mich auf die Palme brachten und wo ich es mir nicht verkneifen konnte, mich mit dem Rezensenten anzulegen. Das schaffte mal jemand mit so Aussagen wie „Da er das Buch so scheiße fand, wäre ja wohl offensichtlich, dass ich meine guten Rezensionen wohl ausschließlich von Freunden bekam, oder kaufte“. Jeder darf seine Meinung haben, aber ich mag es nicht, wenn man mir Dinge unterstellt, die nicht stimmen. Wie heißt es so schön? Der Ton macht die Musik! Generell versuche ich, wenn überhaupt, gelassen darauf zu reagieren, oder sogar, mir aus der Kritik etwas zu ziehen, womit ich mich selbst noch verbessern kann. In solchen Fällen bedaure ich dann, dass das Buch nicht gefiel, bedanke mich aber trotzdem für die Zeit und das Interesse, das mir der Leser entgegenbrachte.
Könntest du dir vorstellen, in einem komplett anderen Genre ein Buch zu veröffentlichen?
Klar, ich wildere auch jetzt schon in fremden Gefilden. Vorwiegend schreibe ich hart, spannend, düster und würde mich den Horror- und Thriller-Autoren zuordnen. Aber man kann ja nicht immer im geistigen Folterkeller sitzen und darum schreibe ichmanchmal auch humorvolle Science-Fiction, die eher in Richtung Pratchett oder Douglas Adams geht. Vielleicht sollte ich mir für sowas ein Pseudonym zulegen, denn Stefanie Maucher schreibt damit absolut an ihrer eigentlichen Zielgruppe vorbei. Dementsprechend verkauft sich mein einziges Buch, das ich in dieser Richtung veröffentlichte, wenig bis gar nicht, obwohl ich auch damit zuvor schon auf Platz 1 eines größeren Wettbewerbs landete. Ist aber nicht schlimm, denn das war immer hauptsächlich für mich selbst gedacht, als Ausgleich zur düsteren Thematik, und nicht auf kommerziellen Erfolg ausgelegt. Rausgebracht hab ich es hauptsächlich, damit ich letztes Jahr nicht so viel drüber nachdenken musste, was ich ein paar Freunden zu Weihnachten schenken könnte. Ich habe mir aber, von den wenigen Lesern, die mir Humor zutrauten und sich ran wagten, sagen lassen, „Die Kinder der Monde“ hätten ihre Lachmuskeln stark beansprucht.
Beschreibe dich in 5 Worten
Selbstbestimmt, einfühlsam, distanziert, offen und verschlossen. Ich bin das fleischgewordene Chaos auf zwei langen Beinen.