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Autoren-Interviews
Buch-Cover Amok Snuff
Nikolas Preil
"Mein Gott, denkt er, was ist bloß aus Hamburg geworden? Und aus seinen Einwohnern, vor allem aus ihnen? Vielleicht ist diese Stadt nicht verrückt. Etwas Böses hat sich eingeschlichen, das die Menschen packt. Kommissar Daniels würde diese übersinnliche Antwort gerne gelten lassen, aber sie gehört in Fiktionen. Die Realität sieht anders aus."

Zur falschen Zeit am falschen Ort. Ahnungslos leiht sich der unbescholtene Bürger Joachim Ringleder zum Feierabend ein paar Videos aus, nur um von einer gefährlichen Situation in die nächste zu geraten. Die Spirale der Gewalt ist unaufhaltsam, und die Reise führt tief in das finstere Herz einer Hafenstadt. Wird der ermittelnde Kommissar Richard Daniels weiteres Unheil abwenden können? Die Zeichen sprechen dagegen. Dieser Wahnsinn wird jeden einholen.

Achtung: Dieses Buch behandelt ein extremes Thema und ist ebenso grafisch in seiner Darstellung. Amok Snuff ist definitiv nichts für sanfte Gemüter. Empfohlen ab 18 Jahren.
Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform
ISBN: 9781500120054
Jessi's Bewertung: starstarstarstarstar

Nikolas Preil Der Autor
Nikolas Preil liebt seit seiner Kindheit Horrorfilme und -romane und hat sehr früh begonnen, seine morbiden Fantasien in Worten festzuhalten. Er lebt und arbeitet in Hamburg, muss aber im Verborgenen bleiben, weil ein Unfall sein Gesicht entstellte. Nach Morbid und Das Ende der Nacht ist Bierbrut seine dritte Veröffentlichung. Er ist bisher der einzige, exklusive Autor für die Reihe Monster, Mörder, Mutationen.
Stell dich doch bitte kurz den Lesern vor
Aber klar, gern. Ich find es echt klasse, dass du mich persönlich fragst. Meistens soll mein Kumpel für mich sprechen. Ist also eine Ehre für mich, Jessi. Also, mein Name ist Nikolas Preil. Mein zweiter Vorname lautet Emilius, der ist von meinem Großvater väterlicherseits, und ich benutze ihn nie. Auch wenn Nikolas nicht unbedingt viel besser ist. Wer kam bloß auf diesen Namen? Ich werde bald 29 Jahre alt und lebe und arbeite in Hamburg. Seit meiner Kindheit faszinieren mich Horrorgeschichten und sehr früh (so mit 11) habe ich angefangen, selbst welche zu schreiben. Am liebsten würde ich davon leben, aber bis es so weit ist, muss ich wohl noch als Produkttester tätig sein. Meine Freundin Jasmin ist da sehr nachsichtig und lässt mir alle Zeit der Welt. Ich hab schon echtes Glück, und das, obwohl ich nicht gerade ein Schönling bin und die Sonne meide wie ein Vampir.
Worum geht es in "Amok Snuff"?
Eigentlich schreibe ich ja Horrorgeschichten. Da ist „Amok Snuff“ irgendwie eine Ausnahme. Denn das Buch ist mein erster Thriller. Jedenfalls glaube ich, dass er einer ist, und ich habe ihn in dem Bewusstsein geschrieben. Das soll nur heißen, dass es darin keine übersinnlichen Erscheinungen oder ähnliche, bekannte Horrorelemente gibt. Stattdessen finden sich darin Polizisten, Morde, Täter und Opfer. Ich will nicht zu viel verraten, aber: Die Worte Amok und Snuff sind, glaube ich, den meisten bekannt. Ich habe mich also gefragt, was passiert, wenn es eine Gruppe von Menschen gibt, die Snuff-Filme von Amokläufen dreht. Das war so absurd und heftig, dass dieses Thema mich lange Zeit begleitete, bis ich mich entschloss, es in Form eines (Kurz-)Romans zu verarbeiten. Und ich ließ einen typischen Durchschnittsmenschen, einen Normalo, in die Fänge dieser Gruppe geraten. Was Joachim durchmacht, wünsche ich keinem.
Wann hast du die besten Ideen?
Das kann ich nicht wirklich sagen. Ich kann überall und zu jeder Zeit Ideen haben, beim Frühstück, im Bett, beim Duschen, auf'm Klo, in der Bahn, sogar in Gesprächen mit anderen, oder während ich ein Buch lese oder einen Film gucke. Gestern hatte ich eine Idee beim Staubsaugen (ja, ich führe ein bisschen den Haushalt, Jasmin arbeitet in Vollzeit, und ich habe keine Lust, im Dreck zu schreiben). Wenn dann eine Idee plötzlich in meinen Kopf gekrochen kommt (obwohl es meistens ein Knall ist), dann warte ich ein bisschen ab, und wenn sie mich auch noch Tage später beschäftigt, ist sie eine gute Idee. Jedenfalls für mich.
Was hat dich zu der  "Monster, Mörder, Mutationen" Reihe inspiriert?
Die Grundidee war KSH. Das war der Arbeitstitel und stand als Abkürzung für „Krasse Scheiße Hamburg“. Eigentlich sollte das eine Anthologie werden, als Nachfolger für meine erste Veröffentlichung „Morbid“. Und ich wollte einfach noch mehr übertreiben, weil es mir Spaß macht. Aber dann rückte mehr und mehr ein anderer Gedanke in den Vordergrund: Was ist, wenn meine Stadt Hamburg ein viel düsterer Ort ist. Ich meine, allgemein. Die ganze Stadt ist gleichzeitig dieselbe, in der ich lebe, und doch ganz anders als in der Realität, in der lauter krasse, unerklärliche Dinge geschehen. Und da sind bestimmte Menschen, die das Ganze kontrollieren, und andere Menschen, die dahinter kommen. Irgendwann wusste ich, dass ich nicht über die üblichen Horrorfiguren schreiben wollte (Zombies, Vampire, Werwölfe etc.), sondern eigene Kreaturen finden, die auf ihre Weise gleichzeitig Bösewichte und Superhelden sein könnten. So ungefähr. Ich liebe die amerkanische Novella-Form, also Geschichten, die zu lang sind für Kurzgeschichten, aber zu kurz für Romane, weil man in ihrer Länge Raum lassen kann und doch präzise sein muss. Und ich liebe Serien, und so kam eines zum anderen. Während ich die Teile schrieb und überarbeitete, auch jetzt noch, begleiteten mich so viele Dinge, die ich gesehen oder gehört habe. Nur um ein paar Beispiele zu nennen: das Kino von David Cronenberg, Rob Zombie oder Quentin Tarantino, die Bücher von Paul Auster, Stephen King oder Brian Keene, aber auch Musik von Charles Mingus. Und vor allem Graphic Novels, Comic-Serien, in deren Tradition ich die Reihe am ehesten sehe. Darum gibt es auch immer wieder Stellen in den Büchern, die fast wie Comic-Szenen sind. Ich liebe „Preacher“, „100 Bullets“, „Death Note“ und viele andere. Ich glaube, alles, was ich bisher so konsumierte, fand auf die eine oder andere Art seinen Weg in die Geschichten.
Wurden Ereignisse oder Personen aus deinem eigenen Leben eingearbeitet?
Das echte Leben hat mich ebenfalls inspiriert, klar. Die Hamburger Orte in den Büchern gibt es ja wirklich, und ich liebe meine Stadt, also habe ich so einige Infos über sie eingebaut. Darüber hinaus würde ich aber nicht sagen, dass es Ereignisse oder Personen sind, die in die Geschichten einflossen. Sicher, mal hier, mal dort verhält sich jemand wie eine Person, die ich kenne, oder sagt etwas Bestimmtes, was ich auch so gehört habe. Aber was die Ereignisse angeht: Ich hoffe nicht, dass sie wirklich geschehen sind. Das könnte ich nicht verantworten. Es sind eher alltägliche Dinge, die ich gerne einbaue und dann versuche, ins Absurde zu steigern, wie zum Beispiel die Szene, in der Bernd in „Bierbrut“ Fleisch einkaufen geht. Oder manchmal versuche ich sie gar nicht zu übersteigern, sondern zu zeigen wie es ist, wenn zum Beispiel in „Amok Snuff“ Kommissar Daniels mit seiner Tochter über eine App auf seinem Handy Nachrichten schreibt.
Sollen deine Bücher eine bestimmte Botschaft übermitteln?
Ich möchte in erster Linie unterhalten und nicht belehren, oder so. Ich finde, wenn man sich als Autor hinsetzt und eine Geschichte schreibt, die dem Leser eine Botschaft vermitteln soll, dann kann das nur schief gehen. Weil eine Geschichte das bleiben sollte, was sie ist: eine andere Welt, in die sich der Leser entführen lassen möchte. Aber natürlich fließen manchmal meine Ansichten und Meinungen über Menschen und Gesellschaft mit hinein, weil es darum ja auch geht in der Reihe. Im dritten Band „Das Fremde“ wird das, glaube ich, besonders deutlich. Und mir liegen meine Figuren sehr am Herzen, besonders jene, die aus ihrem Alltag gerissen und mit etwas Extremem konfrontiert werden. Wenn überhaupt, dann würde ich mir wünschen, dass der Leser sich fragt: Wie würde ich reagieren? Genau das liebe ich an Büchern, die ich selbst lese. Was würde ich tun? Als ein Leser mir sagte, er wollte in die Handlung eingreifen, habe ich mich sehr gefreut.
Lesen auch Familienmitglieder deine Bücher?
Jein. Meine Mutter kann das überhaupt nicht ab, wenn es zu brutal oder eklig wird, aber mein Vater steht da irgendwie drauf. Und meine Freundin liest nicht nur meine Bücher, sie gibt dem Inhalt manchmal auch den letzten Schliff, entdeckt Ungereimtheiten oder Ähnliches. Ich glaube, meine Bücher sind ein bisschen zu hart für meine älteren Verwandten. Aber das ist okay, sie verurteilen mich nicht. Außer dass es ab und zu die Frage gibt, wie ich auf sowas komme, und warum ich darüber schreibe. Dann sage ich immer, dass da Monster in meinem Kopf sind, die raus müssen, sonst übernehmen sie mich und zwingen mich, Sachen zu tun. Dann sind sie ruhig, die Stimmen.
Wie viel Zeit vergeht, zwischen einer Idee und der Fertigstellung eines Buches? 
Das ist verdammt unterschiedlich. Die Rohfassung zu „Bierbrut“ schrieb ich innerhalb von 2,5 Wochen, kurz nachdem ich die Idee bekommen hatte. „Amok Snuff“ musste fast ein ganzes Jahr in meinem Kopf gären, bevor ich das Buch schreiben konnte, aber dann ging das auch sehr schnell. Es kommt immer auf die Geschichte an, denke ich, und wenn die Rohfassung fertig ist, muss immer noch ein bisschen Zeit vergehen, dann muss sie überarbeitet werden, dann nochmal liegen, dann Korrektur gelesen werden usw. Es gibt hier irgendwie keine Regeln, nur Ausnahmen.
Gibt es Momente, in denen man gar keine Ideen mehr hat, oder Schreibunlust?
Seit ich angefangen habe zu schreiben, sind Ideen vorhanden, und seitdem sind sie nicht weggegangen, sondern es kommen immer wieder neue hinzu. Nicht jede ist gut oder toll, aber die vergesse ich dann. Es kommt natürlich vor, dass ich auch auf die guten Ideen mal keine Lust habe, und dann konzentriere ich mich auf andere Dinge, aber Schreibunlust gibt es eigentlich auch nicht. Ich schreibe täglich, egal, ob an einem Projekt oder einfach so, weil es mir Spaß macht. Und dieser Spaß hat nie nachgelassen, sondern ist noch schlimmer geworden mit den Jahren.
Muss ein bestimmter Gegenstand immer beim Schreiben dabei sein?
Auch ein Jein. Es muss immer der Computer sein, den ich gerade besitze (angefangen habe ich damals noch auf einem 386er) und ich habe schon einige verschlissen. Aber das Notebook, das ich mir vor gut zwei Jahren angeschafft habe, ist besser als alle Rechner, die ich vorher hatte. Das Schreibgerät ist also das Wichtigste und ohne mein Samsung Ultrabook Serie 5 möchte ich nicht mehr. Keine Ahnung, was das ersetzen soll, wenn es eines Tages den Geist aufgibt. Die Tastatur ist perfekt, wirklich. Hier gibt es nur ein dickes Ja in Bezug auf Kaffee und Zigaretten. Ich schreibe meist in den frühen Morgenstunden bis Mittag, und da sind diese beiden Dinge (ja, zwischendurch auch Frühstück) ein absolutes Muss.
Wie gehst du mit negativen Rezensionen oder Meinungen um?
Seit ich angefangen habe zu veröffentlichen, nehme ich jede Rezension erstmal ernst. So haben mich die negativen Meinungen am Anfang natürlich runtergezogen. Dann zweifelte ich, ob ich vielleicht doch nicht so gut unterhalten kann, wie ich hoffte. Aber ich weiß auch, dass meine Geschichten Geschmackssache sind. Schon bei „Das Ende der Nacht“ zeigte sich, dass einige voll auf den Splatter abgefahren sind, während andere schrieben, dass das Buch ohne dem ganzen Gemetzel keine Substanz hätte. Ich meine, ich weiß, dass ich manchmal recht brutal, ekelhaft und schockend schreibe, darum kann ich mit solchen negativen Rezensionen sehr gut umgehen. Schwieriger wird es bei den Stimmen, die der Meinung sind, dass der Schreibstil schlecht ist, dass die Figuren tot wirken usw. Dann muss ich mich natürlich fragen, ob das stimmt. Wenn mich nur solche Reaktionen erreichen würden, dann wäre ich wahrscheinlich sehr gefrustet. Aber auch hier erreichten mich eben andere Meinungen. Jedenfalls hat mich bisher noch keine negative Rezension oder Meinung davon abgehalten, weiterzuschreiben, und ich denke, das wird auch keine können. Ich weiß, dass ich noch nicht am Ende meiner Reise bin, und ich versuche, mich von Buch zu Buch zu steigern und besser zu werden. Jedem gefallen kann ich aber nicht. Und das will ich auch gar nicht.
Beschreibe dich in 5 Worten
Freak, Horrorfan, Träumer, Realist, pensionierter Misanthrop.