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Autoren-Interviews
Buch-Cover Schwarze Tränen
Thomas Finn
Im »Gasthaus zum Löwen« in Staufen findet Lukas Faust, Nachfahre des berühmten Doktor Faust, ein mittelalterliches Zauberbuch. Als er einen kostbaren Diamanten aus dem Einband herausbricht, geht auf einmal ein Froschregen über der Stadt nieder, und die Jagd auf ihn wird eröffnet. Erst der schwarze Pudel Mephistopheles, der sich als Teufel persönlich entpuppt, rettet ihn. Mephisto erklärt ihm, dass in der Hölle ein Machtkampf tobt. Wer die drei Teufelstränen besitzt, von denen Lukas’ Diamant eine ist, vermag die Apokalypse heraufzubeschwören. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn die zwei müssen die übrigen Tränen vor ihren Verfolgern finden.
Verlag: Knaur TB
ISBN: 978-3426513491
Jessi's Bewertung: starstarstarstarstar

Thomas Finn Der Autor
Thomas Finn wurde 1967 in Chicago geboren, wuchs in Deutschland auf und lebt heute in Hamburg.

Der ausgebildete Werbekaufmann und Diplom-Volkswirt ist preisgekrönter Spiele- und Romanautor und hat einige Jahre als Lektor und Dramaturg in einem Drehbuchverlag (Ullmann Verlag für Film, Fernsehen & Theater) sowie als Chefredakteur des führenden deutschen Phantastik-Magazins »Nautilus« vom Abenteuer Medien Verlag gearbeitet.

Während seines Studiums arbeitete er als Redakteur und freier Mitarbeiter für zahlreiche Magazine des phantastischen Genres, darunter die Magazine »ZauberZeit« und »Nautilus«.

Im Spielebereich stammen zahlreiche Abenteuer-Publikationen aus seiner Feder, darunter viele Titel der beliebten deutschen Fantasy-Rollenspielreihen »Das Schwarze Auge« (Ulisses Spiele), »H.P. Lovecrafts Cthulhu« (Pegasus Spiele) sowie jüngst auch für »Splittermond« (Uhrwerk-Verlag).

Hauptberuflich arbeitet er heute als Roman-, Spiele-, Theater- und Drehbuchautor; dabei enstanden und entstehen Produktionen für ARD, Sat1 und NDR, Aufführungen für das Alte Schauspielhaus Stuttgart, das Theater Baden-Baden und die Festspiele in Breisach, sowie Publikationen bei Piper, Heyne, Ravensburger und Droemer Knaur.
Stell dich den Lesern bitte kurz vor
Ich versuche es kurz und schmerzlos zu halten: Ich bin Hamburger, 47 Jahre alt und von Beruf Autor in den Bereichen Drehbuch, Theater und Roman. Meine Meriten habe ich mir als Autor für Fantasy-Rollenspiele verdient, kein Wunder also, dass ich bis heute vornehmlich in phantastischen Gefilden unterwegs bin. Wer mehr wissen möchte, klicke am besten meine Webseite www.thomas-finn.de an oder wende sich an meine Facebook-Autorenseite, die man unter „Thomas Finn (Autor)“ findet.
Worum geht es in deinem Buch „Schwarze Tränen“?
Es handelt sich um einen Urban-Fantasy-Roman im Deutschland der Neuzeit, dessen Held ‚Lukas Faust’ ein Nachfahre des berüchtigten Zauberers Dr. Faust in dreizehnter Generation ist. Lukas ist ein erfolgloser Straßenkünstler und rechter Tunichtgut, der in ‚Schwarze Tränen’ jäh in eine apokalyptische Auseinandersetzung zwischen Himmel und Hölle gerissen wird. Nur, dass er es dabei nicht in erster Linie mit dem berühmten Teufel Mephistopheles als Gegner zu tun bekommt, sondern mit seinem berüchtigten Ahnen Dr. Faust, der eine folgenreiche kosmische Intrige schmiedet. Dem gewitzten Teufel Mephisto bleibt daher nichts anderes übrig, als sich Lukas als Bundesgenosse anzuschließen – und zwar in Pudelgestalt, ganz so, wie man ihn aus der Literatur kennt. Nur treiben den kleinen Verräter natürlich ganz eigene Ziele ...
Warum gerade Dr. Faust? (Ich persönlich muss ja gestehen, dass mich dieses Thema immer noch mit Schrecken an meine Schulzeit denken lässt ;))
Ich habe den Fauststoff natürlich ebenso wie du in der Schule kennen, dabei aber durchaus auch schätzen gelernt. Mir erschien Faust damals wie ein erster, etwas antiquiert wirkender Fantasyroman. Goethe griff damals eine bekannte deutsche Legende auf, über die ich mich dann im Laufe der Jahre weiter schlau gemacht habe. Doktor Faust ist sicher der wohl auch international populärste deutsche Zauberer. Irgendwann entstand dann die Idee zu einem spannenden Urban-Fantasy-Roman um den Hallodri Lukas Faust – nur dass in meiner Version der alte Faust der Bösewicht ist und der junge Faust der Gute.
Ich oute mich hier mal…. Ich bin ein typischer Coverkäufer und hier war es eindeutig so. Wie entstand die Idee zum Cover?
Das hat Droemer in Auftrag gegeben. Damit hatte ich nur wenig zu tun. Meine Fähigkeiten beschränken sich darauf, mit Worten und viel Phantasie (hoffentlich) spannende Geschichten zu formen. Das Coverdesign überlasse ich daher ganz den Profis.
Wie viel Recherche steckt hinter „Schwarze Tränen“, gerade was die Sagen und Mythen angehen?
Nun, sehr viel einlesen musste ich mich „mythologisch“ nicht mehr, denn in meinen Regalen stehen eine ganze Reihe von Büchern zum Thema Märchen und Sagen. Ich bin ja vornehmlich Phantastik-Autor und da ist das einheimische Sagen- und Mythenprogramm Pflichtlektüre. Die meisten der im Roman beschriebenen Orte kenne ich zwar aus eigener Anschauung, dennoch musste ich vor allem Details dieser „Bühnen“ recherchieren, damit ich diese so glaubwürdig und plastisch wie möglich schildern konnte. Andererseits, im Roman stecken derart viele Details, dass ich zum Teil gar nicht mehr genau sagen kann, woher die Infos nun genau stammen. Ich könnte es dir aber sagen, wenn du gezielt nachfragst. Hinzu kommt, dass die Recherchen nicht beendet sind, während ich schreibe. Die laufen eigentlich kontinuierlich via Internet, Sekundärliteratur und Spezialisten im Freundes- und Bekanntenkreis.
Du sagst es selbst: Lukas ist ja ein ziemlich Hallodri. Welche Vorteile haben imperfekte Charaktere?
Der Hauptvorteil ist die Entwicklung, die eine Figur durchmachen kann. Denn eine Geschichte ohne Charakterentwicklung ist irgendwie dünne Suppe. Im konkreten Fall sollte die Figurenanlage von Lukas zum einen den zweifelhaften Charakter der Fausts widerspiegeln. Zum anderen erschien es mir gerade angesichts der Möglichkeit echter Zauberei als reizvoll, ihn als Trickster und Bühnenmagier anzulegen. Und um die Frage vorweg zu nehmen: Ich habe als Jugendlicher selbst gern ‚gezaubert’, daher kenne ich mich auf dem Gebiet ein bisschen aus.
Warum spielt Schwarze Tränen in Deutschland?
Weil der Faust-Stoff ein urdeutscher ist. Weil ich ein deutscher Autor bin. Und weil mir (nicht bloß in der Phantastik) das langweilige Schielen auf amerikanische Schauplätze auf die Nerven geht.
Warum spielt es in der Gegenwart?
Weil ich einen waschechten Urban-Fantasy-Roman schreiben wollte (und die sind meist im Hier und Jetzt angesiedelt). Und auch weil ich dem Stoff durch den Einbezug der Moderne die Schwere nehmen wollte, die man ihm gern zuschreibt. Mir war ja klar, dass bei Faust viele erst einmal an Goethes Faust und die Schulzeit denken würden. Das gleiche trifft übrigens auch für den im Roman anzutreffenden (und zuweilen sehr bösen) Humor zu. Letzteres hat mir beim Schreiben übrigens besonders viel Freude gemacht. Wo und wann kann man dem Teufel schon mal so viel religiös unkorrekte Sprüche in den Mund legen?
Wie fängst du eine Geschichte an? Planst du sie vorher komplett durch, oder lässt du die Geschichte während des Schreibens den weiteren Verlauf bestimmen?
Ich bin bekennender Plotter. Das heißt, ich entwickle die Handlung eines Romans, den Plot, bereits lange Zeit bevor ich die erste Zeile zu Papier bringe. Dafür benötige ich in der Regel zwei bis drei Monate. Anschließend schreibe ich ein detailliertes Exposé und DANN erst, beginne ich wirklich mit dem Schreiben. Für letzteres benötige ich bei einem Roman von ca. 500 Seiten Länge dann noch einmal etwa drei Monate. Natürlich halte ich mich während des Schreibens nicht sklavisch an meine Notizen. Die Figuren fangen plötzlich an zu leben und unvermittelt kann es passieren, dass neue Schauplätze wichtig werden oder ich schlicht auf bessere Ideen komme. Dennoch ist es für mich ungeheuer wichtig, dass die Grundpfeiler der Geschichte bereits stehen, bevor ich mich ans eigentliche Schreiben mache. Ich muss das Ziel der Reise kennen, um ggf. gezielt falsche Fährten auslegen zu können. Aber auch, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie meine Figuren ticken müssen. Ein Prozess, der – nebenbei bemerkt - ziemlich aufregend ist.
Gibt es ein Genre in dem du dich besonders gerne tummelst?
Natürlich, das ist die Phantastik - und zwar in allen ihren Spielarten. Völlig egal ob es sich um fantastische All-Age-Romane wie jene handelt, die ich für Ravensburger geschrieben habe, einen Urban-Fantasy-Roman wie „Schwarze Tränen“ oder mein aktueller Mystery-Thriller „Aquarius“. Die Romane, die ich schreibe, sind vermutlich so vielfältig, wie mein Lese- und Filmgeschmack. Und ich liebe jeder dieser Geschichten.
Kannst du uns noch ein wenig über „Aquarius“ erzählen?
Mein aktueller Mystery-Thriller spielt in Nordfriesland und kreist um die mögliche Existenz von Sirenen/Meerjungfrauen. Hauptprotagonist ist ein Bergungstaucher, der in eine gefährliche Verschwörung an der Küste hineingezogen wird, deren Ursprünge bis zum Untergang Rungholts zurückreichen, das auch gern als „Atlantis des Nordens“ bezeichnet wird. Der Roman stand beim Seraph 2015 übrigens auf der sogenannten Shortlist als „bester Roman“, was mich noch immer sehr freut.
Wie gehst du mit negativen Rezensionen oder Meinungen um?
Naja, schön sind sie nicht. Insbesondere, da man als Autor Monate intensiv mit einem bestimmten Stoff verbracht hat. Aber das muss man ertragen und das geht allen Kollegen gleichermaßen so. Im Laufe der Jahre entwickelt man aber einen gewissen Gleichmut gegenüber Verrissen. Man muss sich eben klarmachen, dass der Lesergeschmack einfach zu unterschiedlich ist, als dass man einen Roman schreiben könnte, der wirklich jedem gefällt. Das hat weder J.K. Rowling noch Stephen King geschafft – und das sind internationale Bestsellerautoren. Dennoch muss man kritik- und lernfähig bleiben. Kritik ist für mich aber nur dann interessant, wenn sie mir handwerkliche Mängel nachweist. Noch bedeutungsvoller wird sie, wenn mehrere Kritiker auf den gleichen Punkt aufmerksam machen, denn dann ist es mehr als wahrscheinlich, dass an dem monierten Punkt etwas dran sein könnte. Ärgerlich ist es hingegen, wenn man merkt, dass ein Kritiker Informationen schlichtweg überlesen hat, oder wenn ich als Autor für Dinge verantwortlich gemacht werde, für die in Wahrheit Lektorat oder Verlag die Verantwortung tragen. Nur erschließt sich das vielen Lesern natürlich nicht, weil die Entstehung eines Romans komplizierter ist, als viele wissen. Geschmacksfragen hingegen bleiben genau das: Geschmacksfragen. Anders als einige Kollegen ist es daher mein Credio, nicht auf Leserkritiken einzugehen – wenn sie nicht wirklich falsche Behauptungen in die Welt setzen. Und mit echten Trollen zu diskutieren, von denen es auch im Literaturbereich einige gibt, ist eh vergeudete Liebesmüh. Wichtig ist nur, ob ein wirklich signifikanter Teil der Leserschaft glücklich mit einem Roman ist. Dann habe ich meinen Job richtig gemacht.
Gibt es eine Marotte von dir, die die Öffentlichkeit nicht kennt? Und ja, welche?
Oje, bestimmt. Aber mir fällt gerade keine ein. Doch - wenn mir die Erdnussbutter oder die Frühstückseier ausgehen. Da ist bei mir Landunter :)
Morgenmuffel oder „Früher-Vogel“-Jäger?
Morgenmuffel – dabei liebe ich es, die Sonne beim Aufgehen zu beobachten. Nur ist mein Tagesrhythmus durch die Schreiberei derart durcheinander geraten, dass ich vor 9.30 Uhr eigentlich kaum wach werde.
Atheist oder religiös?
Atheist
Was liest du momentan?
Als letztes gelesen habe ich „Der Marsianer“ von Andy Weir. Ein echtes Jungenbuch, das nicht gerade durch eine ausgefeilte Handlung, aber durch die Wahl des Schauplatzes und seine technischen Details besticht. Ich mochte es, meine Freundin hat es entnervt beiseite gelegt. Mein letztes Hörbuch hingegen war „Todesurteil“ von Andreas Gruber. Tolle Geschichte. Spannend, sauber recherchiert und konstruiert und immer wieder wendungsreich. Großes Kino für alle, die spannende Krimis mögen.
Beschreibe dich in 5 EHRLICHEN Worten
Kreativ. Diszipliniert. Verspielt. Gradlinig. Serienjunkie.
Thomas, vielen lieben Dank für deine Zeit und die ausführlichen und ehrlichen Antworten :)