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Autoren-Interviews

Rona Walter Der Autor
Rona Walter avancierte von der stillen Schülerin einer privaten Klosterschule mit Hang zu morbider Lektüre und stiller Zurückgezogenheit zur Sortimensbuchhändlerin.

Sie machte eine Tanzausbildung, arbeitete als Callcenteragentin, Fotografin in der Touristenattraktion "TheDungeon" und als Barmaid in einem Irish Pub.
Zudem studierte sie "English Language & Literature: 19th Century and Romanticism" im englischen Milton Keynes.
Heute arbeitet sie u.a. als freie Übersetzerin der britischen SteamPunk-Serie "Pax Britannia - The Ulysses Quicksilver Omnibus", sowie als Autorin von Büchern, Novellen und Short Stories.
Primär erschafft sie als Drehbuchautorin ihrer Firma „gloomy media scriptswriting“ Dokus, Videos, Trailer und Filme, und
verlor bereits vor Jahren ihr kleines dunkles Herz an Hamburg, wo sie derzeit lebt.

Ihr Erstling, der Bestatterroman "Kaltgeschminkt", wurde mit dem 2. Platz des Horror /Fantasy/SciFi-Award "Vincent Preis" als einer der besten Schauerromane des Jahres 2012 ausgezeichnet.
Was inspiriert dich zum Schreiben?
Die passende Stimmung. Ich muss mich gerade in ein Projekt verbissen haben und es auch gut finden. Daher arbeite ich meist in zwei oder mehreren Vorhaben, um im Notfall auch einmal hin- und her “switchen“ zu können.
Gibt es Vor- und Nachteile des Autorenlebens?
Zu Hauf. Der Vorteil ist, dass man als freie Autorin wie ich schreiben kann, was einem selbst passt. Die Arbeit für bestimmte Verlage, die fernab der Großverlage mit Mainstream-Titeln arbeiten, geben einem mehr Freiheit, vor allem als „unbekannter“ Autor. Da ich aber nur mehr für die USA und England schreibe, bin ich sowieso nicht mehr zensiert. Die Freiheit, das zu tun, was man möchte und worin man gut ist, ist also ein großer Pluspunkt. Da wir uns aber in einer immer prägnanter werdenden „Geiz-ist-Geil“ Welt bewegen, wo man die Kunst meist mit nur mehr einem Händeschütteln würdigt anstatt mit Bezahlung, muss man natürlich zusehen, wie man seinen Unterhalt bezahlt. Deutschland hat das Problem, dass hier Künstler aus Bücherbranche und Film – ich arbeite ja in beiden, bzw. zu 80% in der Filmbranche – als Sozialhilfeempfänger angesehen werden und man sie meist sogar mitleidig fragt, was denn ihr „echter Job“ sei. Man ist hier Hobbyschreiber, daher gehen die meisten ja auch ins Ausland. So wie ich. Es ist also ein immerwährender Kampf und bis man es einmal „geschafft“ hat, ist langer Atem gefordert.
Wie viel Zeit vergeht, zwischen einer Idee und der Fertigstellung eines Buches?
Kommt auf das Project an. KALTGESCHMINKT schrieb ich in 5 Wochen, für GLÄSERN benötigte ich Jahre, seit ich es in meinem 15. Lebensjahr begann und immer wieder daran arbeitete – nicht sehr fokussiert, wie ich wohl zugeben muss. Im Laufe der Zeit wurde es unzählige Male umgeschrieben, sogar noch kurz vor der Veröffentlichung letztes Jahr. Eine Kurzgeschichte habe ich in ca. 4 Tagen beendet, Scripts für Hörbücher benötigen je nach Seiten/Minutenzahl 2 Wochen. An meinem aktuellen Drehbuch arbeite ich seit Dezember 2013, eine zu lange Zeit, da ich eigentlich sehr viel schneller bin. Doch immerhin hat man ja noch zwei Nebenjobs. Noch.
Wann hast du mit dem Schreiben begonnen?
Mit 15, als ich mir vornahm, dem ewigen Blutbräutigam Blaubart ein ganz besonderes Märchen zu widmen. Heraus kam, GLÄSERN, weitaus psychologischer und intelligenter als die erste Version, wenn auch ebenso gruselig.
Welches ist dein Lieblingsbuch aus der eigenen Feder?
Ich bin der Meinung, dass KALTGESCHMINKT mein bestes ist, immerhin wird es gerade zur TV Serie (in UK). Lesern zufolge ist aber das düstere Märchen, meine Scary-Tale GLÄSERN der erfolgreichere. Ich mag alle meine Charaktere, auch die in den Kurzgeschichten, die ebenfalls immer sehr viel Detail von mir erhalten. Aber meine zynischen Bestatter in KALTGESCHMINKT, die mit dem Tod persönlich um die Seelen zocken, mag ich am liebsten.
Gibt es Momente, in denen man gar keine Ideen mehr hat, oder Schreibunlust?
Niemals. Es gibt nur zu wenig Zeit.
Wie gehst du mit negativen Rezensionen oder Meinungen um?
Akzeptieren. Niemand hat je das perfekte Buch geschrieben, nach dem sich alle die Finger lecken. Zudem haben nicht alle Leser denselben Geschmack. Ich gebe nicht viel auf Rezensionen, um ehrlich zu sein habe ich gar nicht die Zeit, sie mir alle durchzulesen. Persönliche Angriffe kommen schon mal vor, da fragt man sich als Autor dann auch, ob denn tatsächlich über SEIN Buch geschrieben wurde, oder der Leser es vielleicht nicht verstanden hat. Aber damit muss man, wie gesagt, leben.
Könntest du dir vorstellen, in einem komplett anderen Genre ein Buch zu veröffentlichen?
Ich schreibe bereits Schauerromane als auch Dark Fantasy (ja, ich weiss um die Verwandtschaft der beiden Genres), war aber kürzlich auch an einem Erotik-Projekt als Autorin beteiligt und schreibe derzeit eine schwarzhumorige Komödie für England. Zudem habe ich bereits eine Dokumentation verfasst, Music Videos geschrieben und unterstütze Kinderbuchprojekte.
Beschreibe dich in 5 Worten:
Kluge, kühle (aber) faire dunkle Fee .