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Autoren-Interviews

Veit Etzold Der Autor
Veit M. Etzold, geboren 1973 in Bremen, studierte Anglistik, Kunstgeschichte, Medienwissenschaften und General Management in Oldenburg, London und Barcelona. 2005 promovierte er über den Kinofilm »Matrix«. Während und nach seinem Studium arbeitete er für Medienkonzerne, Banken und eine internationale Unternehmensberatung.
Wann hast du die besten Ideen?
Völlig unterschiedlich. Meistens dann, wenn ich nicht ans Schreiben denke. Oft beim Sport, beim Radfahren oder beim Rumlaufen.
Was inspiriert dich zum Schreiben?
Ganz klar die Realität. Gespräche, Meldungen, Zeitungen, Filme. Vor allem Dinge, die irgendwie verborgen, widersprüchlich und ungewöhnlich sind.
Wurden Ereignisse oder Personen aus deinem eigenen Leben eingearbeitet?
Nicht direkt, aber ganz vermeiden kann man das als Autor nie. So spielt die Clara Vidalis Reihe in Berlin, wo ich auch lebe. Und Claras Familie kommt zu einem Teil aus der Nähe von Bremen, wo ich aufgewachsen bin. Ich habe zudem früher viel in der Wirtschaftswelt gearbeitet, was ich freiberuflich noch immer tue, und auch da gibt es viele Inspirationen aus der welt der Unternehmensberatung oder der Banken. Und da ich viele Mitarbeiter der Berliner Rechtsmedizin kenne, unter anderem meine Frau Saskia, fließt da natürlich auch einiges ein, was ja für einen Thriller gut passt.
Gibt es Vor- und Nachteile des Autorenlebens?
Klar. Vorteil: Man kann sehr selbstbestimmt arbeiten und kriegt auch noch Geld und Anerkennung dafür, dass man sich schräge Sachen ausdenkt. Nachteil: Es ist halt eine sehr einsame Tätigkeit und es gibt, während des Schreibprozess, wenig Möglichkeiten, sich Feedback zu holen. Zum Glück kann meine Frau, die Rechtsmedizinerin ist, mir oft auf dem kurzen Dienstweg Infos beschaffen.
Sollen deine Bücher eine bestimmte Botschaft übermitteln?
Ich will sicher nicht pädagogisch die Welt verbessern, aber eine Kernaussage könnte sein, dass die Welt gefährlicher und bizarrer ist, als es uns die Politik weismachen will. Und dass einige Dinge einfach nicht in Ordnung sind, gegen die aber nicht viel unternommen wird. So wird in Deutschland normalerweise ein Steuerhinterzieher härter bestraft als ein Kindermörder. Da trauen sich die Politiker aber nicht ran, weil sie sich ja ihre rosarote Traumwelt nicht kaputtmachen wollen. Die halten dann lieber Sonntagsreden, jagen Falschparker und pumpen Milliarden in eine maroden Flughafen (hier in Berlin), anstatt sich um die wirklichen Probleme zu kümmern.
Wann hast du mit dem Schreiben begonnen?
Eigentlich schon als Kind. Die Idee zu meinem ersten großen Thriller (Das Große Tier, KiWi) hatte ich aber erst Anfang 2006. Das war sozusagen die “Initialzündung”.
Gibt es Momente, in denen man gar keine Ideen mehr hat, oder Schreibunlust?
Ja klar, das gibt es, wie bei allen Jobs! Es ist ja nicht so, dass man als Autor immer vor Inspiration sprühend am Schreibtisch sitzt. Ok, mit gewissen Drogen würde das gehen, aber die würden sich langfristig negativ auf die Produktivität auswirken. ;-)
Wie gehst du mit negativen Rezensionen oder Meinungen um?
Kommt drauf an. Jeder hat einen anderen Geschmack und wenn jemand sagt, z.B. “Seelenangst” sei zu brutal, dann ist es sein gutes Recht, das zu sagen. Andererseits steht ja “Thriller” auf dem Buch drauf, so dass man sich auch denken kann, dass es nicht um "Liebe auf der Alm / Flipper hat Masern" oder ähnliches geht. Wenn allerdings von selbsternannten Experten gesagt wird, dass gewisse Szenen unrealistisch seien (z.B. in Final Cut), dann kann ich nur sagen: Fragt mal Leute vom LKA oder der Rechtsmedizin! Meine Bücher sind nicht schlimmer als die Realität. Die Realität ist viel schlimmer als meine Bücher!
Könntest du dir vorstellen, in einem komplett anderen Genre ein Buch zu veröffentlichen?
Ich habe ja schon zwei All Age Bücher geschrieben (Spiel des Lebens und Spiel der Angst) sowie mit “Das Große Tier” einen Wirtschaftsthriller. Die Genres könnte ich mir immer noch vorstellen. Evtl. auch Fantasy oder Mystery. Wobei ich schon darauf Rücksicht nehmen würde, ob das überhaupt jemand lesen will. Liebesromane würden wahrscheinlich nicht funktionieren…
Beschreibe dich in 5 Worten
Pragmatisch, kreativ, humorvoll, ungeduldig, manchmal wütend und manchmal pessimistisch / paranoid.
Welches Buch liest du gerade?
Derzeit mal wieder “Firestarter” von stephen King. Das Buch war meine Einstiegsdroge als Teenanger und ich wollte mal wissen, ob es mich immer noch faszinieren würde. Ich muss sagen, es fasziniert noch immer! Stephen King hat es einfach drauf. In den früheren Jahren sogar deutlich mehr als heute.