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Autoren-Interviews

Michael Koglin Der Autor
Michael Koglin, geboren 1955 in Büdelsdorf/Schleswig-Holstein studierte Politische Wissenschaften. Vor, während und nach dem Studium betätigte er sich u.a. als Lagerarbeiter, Reißwolf-Bediener, Videofilm-Vorführer, Kraftfahrer, Bildungsarbeiter, Schauermann, Politologe, Friedensforscher, Kaffeeröster, Preisauszeichner und Privatsekretär (von Hans Eppendorfer).
Seit 1982 ist er freier Journalist und Schriftsteller mit einem literarischen Gemischtwarenladen. Neben Kriminalromanen verfasste er Kurzgeschichten, Kinder- und Sachbücher. Daneben entstanden Rundfunkbeiträge, Reportagen sowie Drehbücher für das ZDF und den Kinderkanal.
Wann hast du die besten Ideen?
Spät in der Nacht. Dann beim Blick auf das Mittelmeer (und weil das manchmal schwierig ist) bei einem Glas Rotwein.
Was inspiriert dich zum Schreiben?
Das pralle Leben, die Neugier an Menschen, Ungerechtigkeiten und die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Gewalt.
Wurden Ereignisse oder Personen aus deinem eigenen Leben eingearbeitet?
Niemals. Selbst Personen, die ich nicht nett finde, möchte ich nicht mal die Ehre zukommen lassen, in meinen Bücher als Leiche aufzutauchen.
Gibt es Vor- und Nachteile des Autorenlebens?
Jede Menge: Der Kampf um's Geld ist sicher für die meisten Autoren ein großes Problem. Geld bedeutet vor allem die Freiheit, genug Zeit für den gerade entstehenden Roman zu haben. Ein großer Vorteil ist sicher, dass man überall auf der Welt schreiben kann.
Sollen deine Bücher eine bestimmte Botschaft übermitteln?
Nein. Sie sollten bei den Lesern einen Film zum Laufen bringen. Und das geht handwerklich nicht darüber, dass man eigene Meinungen, Beschreibungen oder Glückskeksweisheiten in die Köpfe der Leser kippt. Außerdem bestimmen die Protagonisten letztlich die Geschichte. Als Autor darf man ein Wörtchen mitreden, aber ob sich die Figuren daran halten, ist doch sehr fraglich. Da verhalten sich einige sehr, sehr störrisch.
Wie viel Zeit vergeht, zwischen einer Idee und der Fertigstellung eines Buches?
Das hängt vom Vertrag ab! Es ist wirklich sehr unterschiedlich. Manchmal quält man sich mit einer Idee, manchmal drückt man -wie bei einer Wasserspülung- auf einen Knopf und es rauscht herunter. Zwischen vier Wochen und einem Jahr ist alles möglich.
Wann hast du mit dem Schreiben begonnen?
Mit neun Jahren. Damals habe ich herausgefunden: Wenn ich meiner Mutter selbstgebastelte Geschichten vorlese, brauche ich das Geschirr nicht abzutrocknen. In einer fünfköpfigen Familie war das eine gute Idee.
Gibt es Momente, in denen man gar keine Ideen mehr hat, oder Schreibunlust?
Ideen habe ich eigentlich immer, doch Schreibunlust, die kann einen schon mal überfallen. Da ich unter dem Einfluß sehr lauter Heavy Metal-Musik schreibe, ist es meist zu laut, um darüber nachzudenken. Außerdem treiben einen ja die Protagonisten. Die wollen weiter.
Muss ein bestimmter Gegenstand immer beim Schreiben dabei sein?
Tastatur, Kopfhörer, grüner Tee und Zigaretten
Wie gehst du mit negativen Rezensionen oder Meinungen um?
Manchmal ist das ärgerlich. Gerade im Bereich Krimi gibt es so viele unterschiedliche Herangehensweise. Es ist wie bei der Musik: Da gibt es Blas- und Marschmusik, Schlager, Bach, Heavy Metal, Folk und Opern ... da kann nicht jedem alles zusagen. Wenn jemand gern liest, wie der Gärtner eines hochherrschaftlichen Anwesens sich mittels eines angeschärften silbernen Löffles durch die Bewohner meuchelt und der Kies knirscht ... wunderbar. Bei meinen doch eher harten Thrillern wäre er falsch. Wenn dann negative Rezensionen geschrieben werden, weil man doch eine ganz andere Art von Stories (etwa Lokalkrimis) mag, ist das traurig. Andererseits werden sehr hilfreiche Rezensionen (positiv und negativ) geschrieben, die das Besondere an Romanen entdecken. Und sich auch mal auf etwas ganz Neues einlassen. Wer will schon immer Pizza, Pasta, Döner und Currywurst (also den Mainstream) essen. Gerade die Möglichkeiten, online in Bücher hineinzulesen, bieten die Chance, ganz neue Autoren für sich zu entdecken. Bald wird es sicher auch mehr Portale geben, in denen gute E-Books professionell besprochen und empfohlen werden.
Könntest du dir vorstellen, in einem komplett anderen Genre ein Buch zu veröffentlichen?
Mache ich immer wieder gern. So schreibe ich Kinder- und Jugendbücher (selbst ein paar Pixi-Bücher habe ich mit sehr großem Spaß gebastelt), dann habe ich einige Sachbücher veröffentlicht. Gern würde ich mal einen Science-Fiction-Roman schreiben, der mit der Frage "Was wäre, wenn ..." spielt.
Beschreibe dich in 5 Worten
Zur Beantwortung dieser Frage klaue ich mal ein Stephen King-Zitat: "Ich würde gern besser schreiben."