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Rezension
Buch-Cover Geliebter Stein
Rosa Leber
„Als Objektsexualität wird die Anziehung von Menschen zu unbelebten Objekten bezeichnet. Der Begriff, eine Erfindung von Eija-Riitta Eklöf-Berliner-Mauer, wird als Eigenbezeichnung von ‚Objektsexuellen‘ verwendet, die diese Anziehung nicht als Fetischismus, sondern als eigenständige Orientierung ansehen. Dies können Gebäude, Autos, Musikinstrumente oder bestimmte architektonische Formen sein.“

Rosa Leber beleuchtet hier sehr einfühlsam einen vernachlässigten Bereich der Sexualität und gibt den Menschen, die auf so ungewöhnliche Weise die Liebe erfahren, eine Stimme.

Diese außerordentlich außergewöhnliche Geschichte hat die Fähigkeit, versteinerte Herzen zu erweichen und ihnen die Wärme eines Wunders zu schenken.
Verlag: Edition Nocturno
ISBN: ASIN: B0121RI8FS
Jessi's Rezension
„Als Objektsexualität wird die Anziehung von Menschen zu unbelebten Objekten bezeichnet. Der Begriff, eine Erfindung von Eija-Riitta Eklöf-Berliner-Mauer, wird als Eigenbezeichnung von ‚Objektsexuellen‘ verwendet, die diese Anziehung nicht als Fetischismus, sondern als eigenständige Orientierung ansehen. Dies können Gebäude, Autos, Musikinstrumente oder bestimmte architektonische Formen sein.“

Und damit schmeißt uns Rosa Leber ins kalte Wasser und lässt uns eine, für mich zumindest, neue Seite der Sexualität erleben.
Ehrlich gesagt möchte ich an dieser Stelle weniger auf die Charaktere und Handlung der Geschichte eingehen, da sich dieses bei Kurzgeschichten immer als relativ schwierig herausstellt, aber auf meine persönlichen Empfindungen beim Lesen.

Wir lernen die junge Protagonistin Ella kennen, die im Gegensatz zu ihren gleichaltrigen Freundinnen nicht die typischen Schwärmereien für Jungs oder Bands empfindet. Sie wird sich plötzlich Gefühlen bewusst, die sie gegenüber einem Übungsturm der örtlichen Berufsfeuerwehr hegt. Verwirrt und ihren Empfindungen nicht gewachsen, macht Ella sich langsam auf den Weg der Selbstfindung.

Ehrlich gesagt schwankte ich beim Lesen zwischen Faszination und Irritation. Die Autorin schaffte es auch in dieser Geschichte wieder, mich an den Haaren zu packen und meine Neugierde zu wecken.
Die Tatsache, dass Ella ihre Gefühle verstecken muss und erfundene Liebesgeschichten vorschieben muss, um nicht als „andersartig“ zu gelten, fand ich schon sehr traurig.

Anderseits konnte ich mich nur schwer mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass sie nicht durch menschlichen Körperkontakt erregt wurde, sondern nur fühlen konnte, wenn sie mit kalten und harten Strukturen in Kontakt kam.

Und genau das liebe ich an den Geschichten von Rosa Leber. Sie grenzen sich deutlich vom gängigen Einheitsbrei ab und bereiten mir immer wieder eine diebische Freude beim Lesen.

Interessant fand ich auch, dass die Autorin nicht nur die Empfindungen der Hauptprotagonistin Ella behandelt, sondern auch die Frage, was wäre, wenn leblose Materie ebenfalls Gefühle hätte. Ehrlich gesagt, war ich anfangs erst etwas skeptisch, freute mich aber dann über den leicht angehauchten Sci-Fi Moment.

Fazit:
Faszinierend, anders und ungewöhnlich. Eine weitere Kurzgeschichte von Rosa Leber, die durch ihre Andersartigkeit lebt und begeistert. 4 Blutsterne.

Buchdetails
Erscheinungsdatum: 18. Juli 2015
Verlag: Edition Nocturno
ASIN: B0121RI8FS
eBook Seitenzahl: 34 Seiten (geschätzt)
Jessi's Bewertung: starstarstarstar